Was ist/war linksunten.indymedia?

Das Bundesministerium des Inneren hat mit einer – auf den 14.08.2017 datierten und am 25.08.2017 bekanntgegebenen – Verfügung einen vermeintlichen „Verein“ linksunten.indymedia verboten, um dadurch die tatsächlich existierende internet-Seite https://linksunten.indymedia.org/ zu beseitigen.
linksunten.indymedia ist Teil des weltweiten indymedia-Netzeswerkes.

„Indymedia“ steht wiederum „kurz für Independent Media Center“ und „entstand im Herbst 1999 anlässlich der globalisierungskritischen Proteste gegen das Treffen der Welthandelsorganisation in Seattle. Aktivistinnen und Aktivisten publizierten ihre eigenen Texte, Bilder und Videos von den Blockaden auf einer von ihnen selbst betriebenen Seite – und gestalteten so eine eigene Erzählung der Proteste. Mit ihren Berichten direkt von der Straße entlarvten die Aktivisten zahlreiche Falschmeldungen der Behörden und schufen eine Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Medien, in denen sie nur selten zur Wort kamen.
Anfang 2001 entstand der erste deutsche Ableger des dezentralen Medienprojekts unter de.indymedia.org. Herzstück der Seite war der ‚Open-Posting‘-Bereich, in dem jede und jeder anonym schreiben konnte. Ein kleiner Kreis von ehrenamtlichen Mitarbeitern sichtete die eingereichten Beiträge und stellte ausgewählte an prominenter Stelle auf die Startseite. […]. Nach dem Niedergang von de.indymedia.org [… wurde] 2008 [die …] ([…] jetzt verbotene) Abspaltung linksunten.indymedia.org [gegründet], auf der zuerst Beiträge aus Süddeutschland und später aus ganz Deutschland erschienen. Einzelpersonen und linke Gruppen schrieben Berichte über Demonstrationen und Protestkampagnen, sammelten Presseberichte und lieferten sich hitzige Diskussionen in den Kommentaren. Egal ob Castor-Proteste, Israel-Debatten oder Veranstaltungen – die Informationen fanden sich auf Indymedia.“ (netzpolitik.org)

„Wer in der letzten Zeit einmal die Seite studiert hat, konnte feststellen, dass dort Berichte über eine ganze Palette von politischen Aktionen außerhalb der Parteien zu finden waren. Ob es Mieterdemos, Kundgebungen gegen Sozialabbau oder die Organisierung eines Infostands gegen die AfD war. All diese Aktionen kamen bei Indymedia-Linksunten vor.
Die Voraussetzung dazu war, dass die Berichte von den Aktivisten selber verfasst wurden. Manche schrieben anonym, doch zunehmend wurden auch Artikel mit Klarnamen verfasst und manchmal waren sogar E-Mail-Adressen und Telefonnummern unter den Beiträgen zu finden. Daraus wird deutlich, dass Indymedia eine Plattform für außerparlamentarische Politik in all ihren Formen war. Den Schwerpunkt nahm dort die Berichterstattung über völlig gewaltfreien Protest der Nichtregierungsorganisationen ein und manchmal tauchten auch Berichte über militante Aktionen auf.“ (Telepolis bei heise.de – unsere Hv.)

Siehe auch:

Halina Wawzyniak (ehemalige Justiziarin und zum Zeitpunkt der Verbotes / der Veröffentlichung des Artikel Mitglied des Deutschen Bundestages für die Linkspartei): Plattform und Vereinsverbot
http://blog.wawzyniak.de/plattform-und-vereinsverbot/

und

Petra Sorge (Zeit Online): „Das Verbot der linksextremistischen Website „linksunten.indymedia“ ist inhaltlich nachvollziehbar. Rechtlich steht es jedoch auf einer wackligen Grundlage.“
http://www.zeit.de/kultur/2017-08/indymedia-linksunten-abschaltung-rechtlich/komplettansicht


Die Verbotsverfügung:

http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/BAnzAT25.08.2017B1.pdf